Abwasserverband Mittleres Schwarzatal 

Wappen: TernitzWappen: WimpassingWappen: Grafenbach-St. ValentinWappen: BuchbachWappen: Puchberg am SchneebergWappen: AltendorfWappen: Bürg-Vöstenhof

Geschichtlicher Überblick

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Jahre 1902, wurde vom Bürgermeisteramt Dunkelstein ein Kostenvoranschlag für die Errichtung eines Regenwasserkanales zur Entwässerung der Hauptstraße im Bereich der Turnhalle eingeholt. Die Baukosten betrugen damals 5990 Kronen. Sechs Jahre später wurde der Kanal bis zur Stapfgasse verlängert.

Aufgrund eines Gutachtens des k. k. Baurates Josef Ruedl beschloss im Jahre 1906 die Gemeindevorstehung Rohrbach die Errichtung eines Rohrkanales in der Ruedlstraße. Der Kanal wurde von der Zwischengasse über die Ruedlstraße geführt und am Ortsende in einen Sickerschacht geleitet. Dieser Regenwasserkanal besaß bereits private Anschlüsse der Anrainer, die dafür eine Gebühr zu entrichten hatten.

Im Jahr 1919 ersuchte die Gemeinde Ternitz einen Techniker der Niederösterreichischen Landesregierung um Projektierung eines Kanales, um "den Übelständen der Stauung von Meteor- und Abfallwässern in Blindendorf zu begegnen". Noch im selben Jahr wurde eine Verhandlung mit Vertretern der Landesregierung abgehalten, doch der Erste Weltkrieg verzögerte den Ausbau des Kanalstranges. Erst 1933 konnte nach mehreren Anrainerbeschwerden mit der Abdeckung des bestehenden Gerinnes eine Abhilfe der Geruchsbelästigung geschaffen werden.

Drei Jahre später, im Jahr 1936, entschloss sich die Firma Schoeller-Bleckmann, das offene Gerinne in der Schöllerstraße durch einen Fäkalienkanal zu ersetzen, da der Anfall von Fäkalien und Abwässer durch die Bewohner der Arbeitersiedlung und der naheliegenden Schule immer größer wurde. Mit dem Bau dieses Abwasserkanales wurde auch erstmals die Errichtung einer Kläranlage in Betracht gezogen. Am 30. September 1937 erfolgte auf Wunsch der Gemeinde Ternitz und der Firma Schöller-Bleckmann eine wasserrechtliche Verhandlung durch die Landeshauptmannschaft Niederösterreich. Im Jänner 1938 wurde die erste Kläranlage in Ternitz, ein Emscherbrunnen, in Betrieb genommen. Durch die Möglichkeit der Entwässerung in einer funktionierenden Kläranlage war es nun möglich, in den nächsten Jahren den Kanalbau rasch voranzutreiben.

Im Jahr 1941 wurde vom Stadtbauamt Ternitz ein Generalprojekt für die Entwässerung der Ortsteile Oberternitz mit Donauland und Gfiederstraße sowie Mitterternitz erstellt. Am 24. Februar 1941 erteilte der Reichsstatthalter in Niederdonau die Bewilligung zur Herstellung der Kanalisierung. Der Ausbau der Abwässer erfolgte als Trennsystem (Regenwasserkanal und Fäkalkanal). 1942 wurde zum generellen Projekt der Ortsteil Pottschach "Neue Heimat" einbezogen. Ein Jahr später, im Sommer 1943, war die Kanalisationsanlage fertiggestellt und konnte in Betrieb genommen werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Stadtgemeinde Ternitz allmählich, die an das bestehende Kanalnetz angrenzenden Straßenzüge zu kanalisieren. Mit Hilfe von Subventionen der NÖ. Landesregierung wurden von 1949 bis 1963 große Teile von Ober- und Mitterternitz an das Kanalnetz angeschlossen.

Durch den raschen Ausbau der Abwasserbeseitigung war es nur eine Frage der Zeit, bis die Kläranlage den Anforderungen nicht mehr entsprechen konnte. Schon 1957 wurde in einem Gutachten des Amtes der niederösterreichischen Landesregierung festgestellt, dass der Kläreffekt des Emscherbrunnens nicht ausreichend ist. 1963 musste ein Projekt zur Verbesserung der Kläranlage erstellt werden. Am 30. November 1964 wurde die verbesserte Anlage in Betrieb genommen. Mit einem Kostenaufwand von S 1,400.000,- wurde ein Regenüberfall, Sandfang, Faulraum, Schlammtrockenplatz und ein Warte- und Kompressorhäuschen neu errichtet.

Ebenfalls 1964 wurde von der Gemeinde Wimpassing ein Projekt für die Kanalisation im Gemeindegebiet erstellt. Das Projekt umfasste zwei Varianten: Variante 1 mit eigener Kläranlage und Variante 2 mit Entwässerung in die Kläranlage in Ternitz. Aus wirtschaftlichen Gründen fiel die Wahl der Gemeinde Wimpassing auf Variante 2. Noch im selben Jahr wurde mit dem Kanalbau in Wimpassing und in Dunkelstein, der zur Aufnahme der Abwässer aus Wimpassing notwendig war, begonnen.

Nach der Fertigstellung der Kanalisation in Blindendorf und Dunkelstein entschloss sich die Stadtgemeinde Ternitz 1970 zur Erstellung eines Kanalisationsprojektes "Ternitz West" für die Ortsteile linksufrig der Schwarza. Dadurch war man gezwungen, auch die Kläranlage zu vergrößern und dem Stand der Technik anzupassen.

1974 wurde mit dem Bau einer vollbiologischen Kläranlage im Tropfkörperverfahren mit Schlammfaulung für 32.000 EGW begonnen. Zwei Jahre später wurde der erste Bauabschnitt fertiggestellt. Der mechanische Teil wurde voll ausgebaut, der biologische Teil wurde für 16.000 EGW konzipiert.

Zu dieser Zeit befasste sich die Gemeinden Grafenbach - St. Valentin mit dem Problem der Abwasserbeseitigung. Bei einer Anfrage an die Stadtgemeinde Ternitz zwecks Einleitung der Schmutzwässer in die Kläranlage Ternitz, wurden auch die ersten Kontakte zur Gründung eines Reinhalteverbandes geknüpft.

Nach einigen Treffen der Gemeindevertreter von Ternitz, Wimpassing, Grafenbach-St.Valentin und Buchbach wurde vereinbart, einen Gemeinschaftsverband mit vier Mitgliedsgemeinden zu gründen. Am 21. Juni 1976 erfolgte mit Bescheid der Niederösterreichischen Landesreigierung die Anerkennung des "Abwasserverbandes Mittleres Schwarzatal".

Im selben Jahr wurde ein generelles Kanalprojekt für das Verbandsgebiet in Auftrag gegeben. Baubeginn der gemeinsamen Anlagen war der 16. August 1978.

Durch die fortschreitende Technisierung im Abwasserbereich erlangte die Ausbildung des Kläranlagenpersonales immer mehr an Bedeutung. 1981 wurde die Kläranlage vom Amt der NÖ. Landesregierung zur "Lehrkläranlage" ernannt. Seit diesem Zeitpunkt wurden Klärwärter aus allen Landesteilen auf der Kläranlage ausgebildet.

Im Jahre 1983 wurde mit dem Vollausbau der Kläranlage begonnen. Die zweite Ausbaustufe umfasste die Erweiterung der biologischen Reinigungsstufe auf 32.000 EGW sowie die Errichtung einer Fäkalienübernahmestation. Ein Jahr später, im Herbst 1984, konnte die vollbiologische Kläranlage feierlich eröffnet und in Betrieb genommen werden.

Durch die Vergrößerung der Kläranlage war es nun ab 1985 möglich, den Kanalbau in den umliegenden Ortsteilen von Ternitz rasch voranzutreiben. So wurden innerhalb von 10 Jahren die Ortschaften Rohrbach, Döppling, St. Johann, Hintenburg, Sieding, Thann sowie Teile von Pottschach und Putzmannsdorf an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. In dieser Zeit fiel auch die Errichtung der Ortsnetze in Grafenbach, St. Valentin, Landschach, Penk, Oberdanegg, Buchbach und Liesling.

Im Jahre 1992 konnte mit der Errichtung eines Gasspeichers (170 m³ Nutzinhalt) sowie der Installation zweier Blockheizaggregate und Stromgeneratoren in der Kläranlage Ternitz ein weiterer Markstein für die Abwasserentsorgung gesetzt werden. Mit dieser Biogasanlage war es nun möglich, aus dem in der Kläranlage anfallenden Abfallprodukt Methangas elektrische Energie zu erzeugen und damit ca. ¼ des Tagesbedarfes der Kläranlage an elektrichen Strom abzudecken

Mit der Erstellung der Kanalisationsprojekte "Anschluss nördliche Katastralgemeinden" für die Ortsteile Mahrersdorf, Neu-Mahrersdorf, St. Lorenzen, Flatz und Raglitz im Juli 1990 und "Transportleitung Sieding-Stixenstein" im März 1993 wurden die Weichen gestellt, noch vor der Jahrtausendwende für eine lückenlose Abwasserentsorgung im Gemeindegebiet von Ternitz zu sorgen.

Zur selben Zeit kam es durch den Beitritt der Marktgemeinde Puchberg am Schneeberg (1993) und der Gemeinden Altendorf und Bürg-Vöstenhof im Jahr 1995 zu einer beträchtlichen Erweiterung des Verbandsgebietes des Abwasserverbandes Mittleres Schwarzatal.

Damit die neuen Mitgliedsgemeinden rasch an den Abwasserkanal angeschlossen werden konnten, wurde umgehend mit dem Ausbau der Transportleitungen und gleichzeitig von den drei Gemeinden mit der Errichtung der Ortskanalisation in Puchberg, Vöstenhof und Altendorf begonnen.

Bereits im Jahr 1998 war der Großteil der Bauarbeiten abgeschlossen und das Ziel, die Abwasserentsorgung aller sieben Mitgliedsgemeinden noch vor der Jahrtausendwende sicherzustellen, konnte tatsächlich erreicht werden.

Aber auch im 21. Jahrhundert ist die Entwicklung in der Abwassertechnik noch lange nicht abgeschlossen.

Hundert Jahre nach der Errichtung des ersten Regenwasserkanales in Ternitz erfolgte im Jahr 2002 mit dem Anschluss des Schneeberggebietes an den Abwasserkanal wieder eine beachtenswerte Leistung in der Kanalbautechnik.

Der von der Stadt Wien, der Niederösterreichischen Schneebergbahn und den Schutzhüttenbetreibern gegründete "Wasser- und Abwassergenossenschaft Hochschneeberg" errichtete entlang der Zahnradbahnstrecke einen Abwasserkanal von der Bergstation bis nach Puchberg.

Durch den Kanalanschluss der Schutzhütten am Schneeberg konnte das Quellgebiet und somit die Trinkwasserversorgung der Stadt Wien und der umliegenden Gemeinden nachhaltig gesichert und so ein gelungener Beitrag für den Umwelt- und Naturschutz in dieser Region geleistet werden.